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#1 Glück & seine Dramen

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Gestern hatte ich Lust auf Liebe. Also machte ich es mir bequem und suchte nach einem rührseligen Film. Du weißt schon, einen, der herzerwärmend romantisch ist und der den Zuschauer mit einer leisen Hoffnung auf das eigene Happy End zurücklässt.
Ich entschied mich für einen Film aus dem Jahr 1999, denn meiner Meinung nach wurden zu dieser Zeit noch großartige Liebesfilme gedreht.

Da ist also dieser Protagonist, eingehüllt in seinen Schmerz darüber, dass er seine Frau verloren hat. Seit ihrem Tod hat sich seine Uhr praktisch nicht weitergedreht. In seinem Haus sind all ihre Sachen noch genauso arrangiert, als würde sie in der nächsten Sekunde durch die Türe kommen. Ein schicksalhafter Zufall will, dass sich eine Reporterin auf die Suche nach ihm macht und sich in ihn verliebt. Ein Teil seines Herzens öffnet sich ihr, aber tief im Inneren wünscht er sich seine verstorbene Frau zurück.
Er muss sich entscheiden. Will er sich weiter an die schmerzhafte Vergangenheit klammern oder schafft er es, loszulassen und sich eine neue Zukunft aufzubauen.

Endlich, nach einer Stunde und neunundvierzig Minuten steuern wir auf das ersehnte Happy End zu. Er hat eine Entscheidung getroffen. Hoffnungsvoll, entschlossen, klarsichtig macht er sich auf den Weg. Es gibt nur diese eine Sache, die er vorher noch tun muss, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Also segelt er davon, dem Horizont entgegen und ertrinkt.
Ertrinkt?

Er ertrinkt und statt dem gefühlvollen Happy End bekomme ich ein schweres Herz, mit dem ich nun auf meiner Couch zurückbleibe.
Was ist das nur für eine Angewohnheit von Filmemachern, es originell zu finden, dem Zuschauer das Herz zu brechen. Sollte es wirklich Sinn und Zweck eines gemütlichen Filmeabends sein, dass man sich danach elendiger fühlt als zuvor?
Warum wird uns immer wieder suggeriert, dass Glück nur der Warteraum zum Unglück ist?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Fälle fielen mir ein:

Es lässt sich endlos weiterführen. Ist es da noch ein Wunder, dass wir uns auch im wahren Leben mit dem Glück schwer tun? Jedes Mal, wenn wir optimistisch in die Zukunft blicken, müssen wir ja Angst haben, dass uns ein Laster überrollt, der finanzielle Ruin über uns hineinbricht oder sonst ein kurioser Schicksalsschlag uns ereilt.

Natürlich erlauben wir es uns also nicht, das Glück zu finden. Natürlich bekommen wir eine Panikattacke, wenn mal alles gut läuft und weit und breit kein Problem in Sicht ist. Natürlich genießen wir all die schönen Momente im Leben nicht, sondern suchen immer nach dem Haken. Uns wurde das so beigebracht. „Gerade, wenn du dich vom Leben tragen lässt, holt dich der Teufel“ oder in Herzensangelegenheiten:
„Je größer die Dramen, desto größer die Liebe.“ Erst dann ist eure Geschichte erzählenswert.
Wenn dein Partner dir das Herz bricht, wenn er ein therapeutischer Problemfall ist, eurer Liebe tausende von Steinen im Weg liegen oder der Tod ihn holen kommt. Je mehr Kraft es dich kostet, desto wahrhafter ist deine Liebe. Es überrascht mich nicht, dass so viele Menschen bis zur Aufopferung für ihren Partner gehen und sich deshalb für tugendhaft halten. Einfach kann ja jeder.

Disney wird oft dafür verhöhnt, dass er uns eine unrealistische Vorstellung von Liebe gegeben hat. Aber, verdammt nochmal, so wunderbar kitschig und magisch sollte es doch sein. Wir sollten uns ausgelassen freuen dürfen, dem Glück vertrauen, wenn es an unsere Türe klopft und noch mehr Schönes von unserer Zukunft erwarten.
Gut, es scheint vielleicht nicht jeden Tag die Sonne, man muss nicht gleich nach dem ersten Kuss heiraten und diese Konstellation von Prinz und Prinzessin ist auch etwas überholt.
Aber „sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ sollte doch das Mindeste sein, dass wir von Liebesfilmen & Beziehungen erwarten dürfen.